Projekt „Frauenleben positiv“

Frauen mit HIV stehen vor allem in einem ländlichen geprägten Gebiet wie Kärnten, dem südlichsten Bundesland Österreichs, vor speziellen Anforderungen. Während es im MSM Bereich leichter ist, sich untereinander auszutauschen und Community-spezifische Angebote vorhanden sind, fallen HIV infizierte Frauen oft schon unmittelbar nach der Befundmitteilung in ein tiefes Loch aus Isolation, Schweigen, Diskriminierung und Stigmatisierung.

Da Frauen zahlenmäßig von der HIV Infektion weniger betroffen sind als Männer, empfinden sie es als Einzelschicksal und ziehen sich zurück. Möglichkeiten zur Vernetzung fehlten in Kärnten bisher völlig.

Eine Studie unter HIV-positiven Frauen in Kärnten ergab eine überraschend hohe Prävalenz von schweren bis mittelgradigen Depressionen. Aufgrund dieser Ausgangslage wurde das Projekt „positives Frauenleben“ initiiert in Form einer angeleiteten Selbsthilfegruppe, kombiniert mit einem frauenspezifischen Beschäftigungsprojekt.

Frauen treffen sich regelmäßig einmal in der Woche für mehrere Stunden zum Plaudern und Handarbeiten. Weder soziale Unterschiede noch kulturelle Unterschiede spielen eine Rolle, auch sprachliche Barrieren werden von der Gruppe leicht überwunden. HIV-positive Kärntnerinnen, Migrantinnen, Flüchtlingsfrauen jeden Alters sitzen zusammen an einem Tisch und akzeptieren einander ohne Wenn und Aber. Mit Migrantinnen wird Deutsch gesprochen und die Verständigung gelingt von Anfang an. In der Gruppe werden Erfahrungen ausgetauscht, „Frauenthemen“ ohne Hemmungen besprochen, Beziehungs- und Erziehungsfragen diskutiert, handwerkliche Fähigkeiten erlernt.

Das Gefühl des „Dazugehörens“ und die selbstgemachten Werke bringen das Selbstwertgefühl zurück. Auch außerhalb der Gruppenstunden haben sich tragfähige Beziehungen entwickelt, die im Sinne des Empowerments klassische Betreuungsfragen in Selbstorganisation bewältigbar machen. Krankenhausbesuche untereinander finden statt, Besorgungen werden erledigt, gemeinsame Unternehmungen organisiert, bei Arzt- und Behördenwegen begleiten sich die Frauen gegenseitig und niemand fühlt sich alleingelassen.

Von Seiten der aidsHilfe werden die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, womit ein sicherer Ort garantiert ist. Eine Beraterin steht während der Treffen für persönliche Gespräche und /oder Gruppengespräche zur Verfügung und das Arbeitsprojekt wird fachlich begleitet.

Neben dieser Beratungsmöglichkeit finden auch regelmäßige themenspezifische Updates statt.